Bali 2018 - Holger Kremmin

Bali 2018

Nach einem stressigen Arbeitsjahr ergab sich endlich die Chance auf einen längeren Urlaub. Unser geliebtes Standardziel war leider schon ausgebucht da wie immer als in letzter Sekunde gebucht werden musste. Irgendwie kam die Idee auf mal Bali zu besuchen. Gesagt, getan und im Reisebüro erstmal mit einem Stapel Katalogen eingedeckt. Zudem Reiseführer gekauft und sich in diversen Facebook Gruppen angemeldet. Die Informationen waren doch alle recht widersprüchlich. Für die einen das reine Rucksackparadies, für andere die Ballermann- Hölle.

Nach  dem Sichten zahlreicher Reiseberichte und Hotelbewertungen entschieden wir uns dafür in Sanur ein schickes Hotel zu buchen. Wir suchten einen Ort der nicht gerade der Ballermann ist (Kuta), aber auch die völlige Einsamkeit suchten wir nicht (Candi Dasa ). Wir wollten schicke Restaurants und Einkaufsmöglichkeiten in der Nähe, und nicht Party die ganze Nacht. Sanur war für uns ideal und unsere Erwartungen worden voll getroffen, Durch Glück bekamen wir auch ein Suite ohne Aufpreis.

Natürlich wollten wir auch etwas von der Insel sehen und buchten eine fünftägige Privatrundreise dazu. Dazu später mehr.Blieb nur noch offen welche Flugroute wir nehmen. Nach langen Suchen haben wir uns für die Route über Taipei mit China Airlines entschieden da hier die Premium Economy für einen geringen Aufpreis möglich war. Zwar waren wir Anfangs etwas skeptisch wegen der Airline, aber spätestens als wir im Flieger saßen waren alle Bedenken verflogen. Liebe Lufthansa, hier könnt ihr noch was lernen! Insgesamt dauerte die Anreise von Tür zu Tür 24h - auch für die traditionellen Anreisen über Singapur oder Bangkok kann man in etwa die gleiche Zeit einplanen.

Als wir die Koffer packten erstmal die große Frage - was für Klamotten müssen wir mitnehmen? Wie sieht es mit Hygieneprodukten & Sonnencreme aus, welche Medikamente müssen mit usw. Kurzum - wir haben zu viel und dabei auch noch unnötiges eingepackt... kurze Hosen, kurzärmelige Hemden und leichte Kleidung reichen völlig aus. Notfalls vor Ort waschen lassen (pro kg ca 1€), die Kleidung ist aufgrund der Luftfeuchtigkeit und Klimaanlagen in den Hotels nach ein paar Tagen sowieso leicht feucht. Alles andere kann man zu normalen Preisen vor Ort einkaufen. 

Dann ging es endlich los - auf zum Frankfurter Flughafen und ab ins Abenteuer. Firmenhandy aus, aus allen E-Mail Accounts ausgelogged und ab in den Urlaub!

Sanur war während des Urlaubes quasi unser "Basislager".  Sanur liegt im Süden Balis und hat als "Wahrzeichen" das einzige Hochhaus auf Bali, das Grand Bali Beach Hotel. Glücklicherweise trat nach Fertigstellung in den 60er Jahren ein Bauverbot für Hochhäuser in Kraft so dass neu errichtete Gebäude nicht höher als Palmen sein dürfen. Der Strand verläuft parallel zur Hauptstrasse Sanurs, der Jl. Danau Tamblingan. Auf der Hauptstrasse finden sich zahlreiche Cafés, Restaurants bzw. Warungs, Souvenirläden, Supermärkte etc. Hier findet sich alles was man zum Leben braucht bzw. auch nicht.

Zur Strandseite hin liegen zahlreiche Hotels welche über parkähnliche Gärten mit meist mehreren Pools verfügen. Unser Hotel hatte drei verschiedene so dass sich immer ein Liegeplätzchen fand. Fast alle Hotels haben auch eigene Strandbereiche wo Liegen & Sonnenschirme zur Verfügung gestellt werden. Wer in anderen Hotels untergebracht ist kann in bestimmten Bereichen auch Sonnenliegen anmieten.

Längs des Strandes finden sich viele kleine Strandbars & Restaurants, Souvenirläden und die obligatorischen Massage-Stände. Es gibt zahlreiche Angebote für Wassersport. Dem hellsandigen Strand ist ein Korallenriff vorgelagert welches das Baden sicherer macht. Allerdings kann man bei Niedrigwasser aufgrund der Korallen nicht richtig schwimmen.

Abends ist in Sanur immer etwas los, die Hotels und Restaurants bieten jeden Abend zahlreiche Veranstaltungen an. Live Musik wird immer angeboten, ansonsten die üblichen Barong Tänze. Aufgrund der Nebensaison waren die "Rahmenprogramme" auch nicht so aufdringlich und es fand sich überall ein Sitzplatz. Wer möchte kann bis tief in die Nacht Party machen, im allgemeinen ist es aber ruhig und gesetzt. Wir haben uns hier sehr wohl gefühlt.       

Nach ein paar Tagen Erholung ging es dann auf die gebuchte Rundreise. Wir wurden von unserem Guide im Hotel abgeholt, das überschüssige Gepäck konnten wir im Hotel lassen. Glücklicherweise hatten wir eine private Rundreise gebucht - sprich wir hatten ein eigenes Auto mit Fahrer. Der Guide sprach sehr gut Deutsch. Los ging es direkt zum Tempel Tanah Lot. Es ist eine beeindruckende Tempelanlage und wird aufgrund der Lage auch Meerestempel genannt. Weiter ging es über Pupuan, vorbei an einer üppigen Regenwald- Landschaft und diversen Reisfeldern und -Terrassen. Am Nachmittag kamen wir dann in Lovina an. Ausser einem schönen Sonnenuntergang war Lovina eine ziemliche Enttäuschung, rund um das Hotel war eher nichts, der Strand nicht gerade der schönste und das aufregendste war ein kleines Erdbeben mitten in der Nacht.

Am nächsten Morgen ging es dann weiter in Richtung des sagenumwobene Ubud, dem Kunst- und Handwerkszentrum Bali's. Auf dem Weg nach Bedugul fuhren wir entlang der Nordküste bis nach Git-Git. Dort besichtigten wir einen naturgelegenen Wasserfall. Weiter ging es zum schwimmenden Tempel Ulun Danu am See Beratan in Bedugul.  Anschließend ging es weiter nach Ubud. Dort konnten wir eine große Hochzeit beobachten welche mehr oder minder ganz Ubud lahmlegte. 

Nachdem wir den Abend in Ubud genossen hatten starteten wir den nächsten Morgen mit einer Wanderung durch die Reisfelder bei Ubud. Zum Glück war es nicht ganz so heiß und auch die Luftfeuchtigkeit war sehr angenehm. In einem kleinen Warung machten wir Pause und genossen die herrliche Aussicht rund um die Reisfelder. Mittags nahmen wir uns die Zeit das Neka Museums zu besuchen. Anschließend erkundeten wir Ubud. Den Abend krönten wir mit einem wunderbaren 3-Gänge Menü im Bridges Restaurant.

An Tag 4 machten wir uns dann auf den Osten von Bali zu erkunden. Nach einem Zwischenstop in Batubulan wo wir eine Barong Tanzaufführung beiwohnten ging es weiter zum Tempel von Goa Gajah - auch als Elefantenhöhle bekannt - am Petanu Fluß. Von dort ging es dann weiter nach Kintamani wo wir die Aussicht auf den See Batur bewundern konnten. Bevor es dann weiter nach Candi Dasa ging besichtigten wir von den heiligen Besakih Tempel in Bazi. Den Tag schlossen wir dann mit einem Abendessen am Candi Beach ab.

Der letzte Tag der Rundreise führte uns in das Dorf Tengganan - eines der letzten traditionellen Dörfer der Bali Aga. Wer hier etwas natürliches erwartete der wurde herb enttäuscht. Zufälligerweise fanden sich zahlreiche Touri-Shops im Dorf. In Tirta Gangga besichtigten wir den Wasserpalast. Nach einem kurzen Abstecher in die Fledermaushöhle Goa Lawah ging es dann nach Klungkung. Hier schauten wir uns die Gerichtshalle mit den berühmten bemalten Decken an. Abschließend ging es dann wieder zurück nach Sanur.

Während unser Übernachtung in Lovina wurden wir unsanft durch ein kleines Erdbeben  Stärke 6 geweckt. Es hat ein paar Sekunden ordentlich geschüttelt so das wir senkricht im Bett standen. Aber das sich das Hotelpersonal davon völlig unbeeindruckt zeigte legte wir uns wieder schlafen. 

Deutlich unangenehmer fielen uns dagegen auf der ganzen Reise "Instagrammer" auf. Wo es auch immer schön war oder ein sogenannter "Hotspot" definiert wurde fanden sich eine Horde Selbstdarsteller. Teilweise wurden sogar Fotografen engagiert welche sich mit Stativen, Beleuchtung und Assistenten breit machten um den perfekten "Schnappschuss" zu inszenieren. Das Chaos welches diese Instgrammer verbreiteten war leider unerträglich so dass wir beschlossen einige der sogenannten "Must See" Orte auszulassen. Hoffentlich geht diese nervige Erscheinung bald wieder vorbei.    

Egal was man auch immer versucht - an einer Barong Tanzvorführung kommt man einfach nicht vorbei. Uns erwischte es auf der Rundreise. Der Barong ist ein mystisches Wesen welches die auf der Erde existierenden guten Kräfte repräsentiert. Daneben gibt es Rangda, die Königin der Hexen welche das Böse verkörpert. In der Balinesischen Kultur ist der Glaube der Koexistenz von Gut und Böse fest verankert. Deswegen gibt es in den Geschichten um Barong und Rangda keinen Sieger.

Für Leib und Wohl ist auf Bali reichlich gesorgt. Zahlreiche Bars, Warungs & Restaurant warten nur darauf einen kulinarisch zu verwöhnen. Es ist für jeden Geldbeutel etwas dabei - Von einfachen indonesischen Speisen für einige Euros bis zur Haute Cusine ist alles zu finden. Alles wird frisch zubereitet und ist moderat gewürzt. Man kann aber auch durchaus scharf speisen. Egal wo wir gegessen haben, es hat uns stets wohl gemundet. Wobei wir auch jede Form von Buffet gemieden haben. 

Alkohol ist in Relation zu Speisen recht teuer. Die Dose Bintang kostet im Supermarkt um 1,30€, in Restaurants ab 2€ aufwärts. Mit Longdrinks und Cocktails hat man es nicht so, einen vernünftigen Gin Tonic haben wir nirgendwo bekommen. Die Weine von Two Islands sind empfehlenswert. Gute Weinkarten finden sich aber nur in sehr guten Restaurants. Der Sommelier des Bridges Restaurant in Ubud versteht übrigens seinen Job.

Bali ist eine paradiesische Insel, die Schönheit lässt einen nicht unberührt. Dichter Urwald überzieht rund ein Drittel der Insel. Zahlreichen Reisfelder und Terrassen hinterlassen ihren eigenen Charme.  Die Küsten können nicht unterschiedlicher sein. Hier findet man überall beeindruckende Landschaftsbilder. Leider ist vieles mittlerweile voll touristisch erschlossen. Wirklich unberührte Natur findet sich auf den normalen Touren kaum, viele schöne Ecken sind überlaufen. Wer nicht wirklich mit Wanderausrüstung in den Urwald zieht wird nur konfektionierte "Ware" vorfinden. Sehr bedenklich sind auch die Angebote rund um die Tierwelt. Ob Frühstück mit Orang Utans, Elefantenstreicheln, überfütterte Affen oder Delphintouren - das ist alles nicht artgerecht oder gar im Sinne der Tiere. Wir haben solche Touristenattraktionen gemieden, auch wenn dafür auf auf schöne Bilder verzichtet werden musste. 

Die Balinesen sind ein sehr freundliches Volk. Wir fühlten uns nirgendwo unsicher und wurden immer sehr freundlich und zuvorkommend behandelt. Zu sehen gibt es viel, das wuselige Treiben auf den Strassen & Märkten ist sehr beeindruckend. Egal wo man hinschaut es gibt immer etwas spannendes zu sehen. 

Wer auf Bali war kennt natürlich auch das Geräusch der kleinen "Nervensäge". Der Tokeh ist überall zu hören, aber leider so gut wie nie zu sehen. Am letzten Abend hatte ich dann Glück als sich ein Exemplar in einen Flur verirrte. Faszinierend was für einen Lärm so ein kleines Tier veranstalten kann.